Bodenwert, Grundstückswert und Verkehrswert
Der Bodenwert ist der Wert des reinen Grund und Bodens, ohne Gebäude. Bei einem bebauten Objekt ist er nur ein Teil des Gesamtwerts, beim unbebauten Baugrund macht er praktisch den ganzen Wert aus. Umgangssprachlich meint Grundstückswert meist genau diesen Bodenwert.
Davon zu unterscheiden ist der Verkehrswert. Das ist der Preis, der bei einem Verkauf üblicherweise zu erzielen wäre, gesetzlich definiert im Liegenschaftsbewertungsgesetz. Ihn ermittelt bei Bedarf ein Sachverständiger mit anerkannten Verfahren, für Grundstücke meist über den Vergleich mit tatsächlichen Verkäufen ähnlicher Flächen.
Die Faustformel: Fläche mal Quadratmeterpreis
Für eine erste Größenordnung multiplizierst du die Grundstücksfläche mit einem ortsüblichen Quadratmeterpreis für Bauland. 600 Quadratmeter mal 400 Euro ergeben zum Beispiel rund 240.000 Euro als groben Bodenwert.
Das ist bewusst eine Näherung. Der ortsübliche Preis ist ein Durchschnitt über viele Grundstücke, das einzelne kann darüber oder darunter liegen. Sinnvoll ist deshalb, mit einer Spanne zu rechnen statt mit einer scheinbar exakten Zahl.
Was den Quadratmeterpreis treibt
Den größten Unterschied macht die Widmung. Bauland ist ein Vielfaches von Grünland wert, weil man darauf bauen darf. Innerhalb von Bauland zählen die zulässige Dichte und Höhe, also wie viel Wohnfläche realisierbar ist. Wie die Widmung das bestimmt, steht im Ratgeber zur Flächenwidmung.
Dazu kommen die Lage, die Aufschließung (also ob Kanal, Wasser, Strom und Zufahrt vorhanden sind), der Zuschnitt und die Hangneigung sowie Belastungen wie Lärm, Hochwassergefahr oder eine Dienstbarkeit im Grundbuch. Zwei gleich große Grundstücke im selben Ort können sich dadurch im Preis deutlich unterscheiden.
Woher die Preisdaten kommen
Statistik Austria veröffentlicht durchschnittliche Grundstückspreise, teils bis auf Gemeindeebene. Das ergibt einen guten Richtwert für die Faustformel. Der jährliche Immobilienpreisspiegel der Immobilientreuhänder in der Wirtschaftskammer liefert zusätzliche Orientierung nach Lage und Kategorie.
Die genauesten Daten sind die tatsächlichen Kaufpreise aus dem Grundbuch, gesammelt in der amtlichen Kaufpreissammlung. Diese Einzeltransaktionen sind allerdings kostenpflichtig und nicht frei abrufbar. Sie sind die Grundlage, wenn ein Sachverständiger einen Verkehrswert nach dem Vergleichswertverfahren ermittelt.
Grobe Schätzung oder echte Bewertung?
Für einen ersten Eindruck, ob ein Angebot im Rahmen liegt, reicht die Faustformel mit einem ortsüblichen Preis. Für eine belastbare Zahl, etwa zur Finanzierung, für die Erbteilung oder vor Gericht, führt kein Weg an einer fundierten Bewertung vorbei, entweder über ein automatisiertes Bewertungsmodell oder über einen Sachverständigen.
Im Standort-Check siehst du zu einer Adresse die Grundstücksfläche und den Baulandrichtpreis der Gemeinde und daraus eine grobe Bodenwert-Spanne, ausdrücklich als Größenordnung und nicht als Bewertung. Zusammen mit Widmung, Aufschließung und den Standortrisiken hast du damit die Bausteine für eine erste Einschätzung.
Grundstücksfläche, Baulandrichtpreis und grobe Bodenwert-Spanne zu deiner Adresse ansehen:
Häufige Fragen
Wie berechne ich den groben Wert eines Grundstücks?
Für eine erste Größenordnung multiplizierst du die Grundstücksfläche mit einem ortsüblichen Quadratmeterpreis für Bauland. Das Ergebnis ist ein grober Bodenwert, sinnvollerweise als Spanne, nicht als exakter Betrag.
Was ist der Unterschied zwischen Bodenwert und Verkehrswert?
Der Bodenwert ist der Wert des reinen Grundstücks ohne Gebäude. Der Verkehrswert ist der bei einem Verkauf üblicherweise erzielbare Preis, den ein Sachverständiger nach dem Liegenschaftsbewertungsgesetz ermittelt.
Wo finde ich Grundstückspreise in Österreich?
Durchschnittliche Baulandpreise veröffentlicht Statistik Austria, teils je Gemeinde. Orientierung gibt auch der Immobilienpreisspiegel. Die tatsächlichen Kaufpreise aus dem Grundbuch stehen in der kostenpflichtigen Kaufpreissammlung.
Warum sind zwei gleich große Grundstücke unterschiedlich viel wert?
Weil neben der Fläche die Widmung, die zulässige Dichte und Höhe, die Lage, die Aufschließung, der Zuschnitt und Belastungen wie Lärm oder Hochwassergefahr den Preis mitbestimmen.
Ersetzt eine grobe Schätzung ein Bewertungsgutachten?
Nein. Die Faustformel liefert eine Größenordnung. Für eine belastbare Zahl, etwa zur Finanzierung oder vor Gericht, braucht es eine fundierte Bewertung durch ein Bewertungsmodell oder einen Sachverständigen.
Zuletzt aktualisiert: 02.08.2026. Angaben ohne Gewähr, keine Rechtsauskunft.